LLOYD HOTEL, AMSTERDAM

MVRDV’s historisches Experiment

Es klingt wie eine Lizenz zum Scheitern: Ein düsteres, leerstehendes, ehemaliges Gefängnis; ein Architekturbüro, das keine Erfahrungen mit der Restaurierung alter Gebäude hat und dazu eine Betreibercrew, die zwar enthusiastisch, aber in der Hotellerie absolut unerfahren ist. Tatsächlich aber hat sich das von MVRDV umgeplante Amsterdamer „Lloyd“-Hotel zu einer allerersten Designadresse entwickelt, die Luxus auf eine kreative Art völlig neu definiert.

 

Zu finden ist das „Lloyd“, wie es im Rückgriff auf seine ursprüngliche Bestimmung als Emigrantenherberge heisst, auf halber Strecke zwischen der grachtendurchzogenen Amsterdamer Altstadt und den ehemaligen Hafenanlagen: Außen ein wuchtiges Trumm mit Uhrenturm, Sprossenfenstern und einer Fassade aus grauen Backsteinziegeln, überrascht es innen mit einem experimentierfreudiges Konglomerat aus Ideen von knapp 50 Designern und Künstlern, die sich unter der architektonischen Gesamtleitung der Rotterdamer Stararchitekten MVRDV zusammenfanden.

 

Wie gut dieses Konzept ankommt, lässt sich unter Anderem daran ablesen, dass das Hotel zu sensationellen 80 Prozent ausgelastet ist. Im vergangenen Jahr wurde es sogar mit dem vom Luxuslabel Swarovski gesponserten „Talents du luxe“-Preis ausgezeichnet – dabei finden sich im „Lloyd“ weder Marmorbäder noch Shoe-Shine-Maschinen, Minibars, ein Spa oder andere Insignien der Luxusklasse. Dafür aber treffen Gäste hier auf eine entspannte Crew sowie Künstler und Kreative aus aller Welt, die hier neben üppig dimensionierten Suiten genauso gut in winzigen Ein-Sterne-Zimmern mit Gemeinschaftsdusche unterkommen können. „Unsere Gäste haben schlicht eine andere Definition von Luxus“, meint „Lloyd“-Gründerin Susanne Oxenaar, „sie wissen es zu schätzen, dass man hier Leute mit ganz unterschiedlichen Ideen, Geschichten und Budgets kennenlernen kann.“