Energieeffizienz

Green Building

Viele Architekten und Projektentwickler haben deshalb ein buchstäblich nachhaltiges Vermarktungsargument für sich entdeckt: „Grünes“ Bauen.
Ablesen lässt sich der Boom unter anderem an der steilen Karriere der  USamerikanischen „Green Building Conference“: Diese Fachtagung, vor gut zehn Jahren erstmals veranstaltet, lockte damals ein Häuflein von ganzen 70 Architekten an. Bei der jüngsten Konferenz drängelten sich 35.000 Besucher, um über Gebäudeeffizienz, k-Werte und alternative Energiekonzepte zu diskutieren. Und in Deutschland hat sich vor zwei Jahren die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ (DGNB) etabliert, die mittlerweile die ersten, besonders nachhaltigen Immobilien mit ihrem DGNB-Zertifikat ausgezeichnet hat.

„Grün ist Gold wert“, jubelt das Anlegermagazin „Barron’s“, denn „grüne“ Gebäude werden über Jahre hinweg konkurrenzlos sein. In Chicago beispielsweise konnte der Büroturm 111 South Wacker Drive, der sich mit einem „grünen“ Gebäuderating schmücken darf, wenige Monate nach Fertigstellung komplett vermietet verkauft werden – und das, während in der Nachbarschaft 18 Prozent der Büroflächen leer stehen. Ein paar Straßenecken weiter ging der ebenfalls als „nachhaltig“ ausgezeichnete Komplex One South Dearborn Street mit einem Profit von 144 Millionen Dollar an seinen Neubesitzer. „Wer ein grünes Zertifikat an seine Pforten heften kann, hat keine Vermietungsschwierigkeiten und steigt in die Champions League der Immobilienszene auf“, konstatiert die Immobilienzeitschrift „Expo Real Magazin“. Dabei sind es primär gar nicht die Immobilienbesitzer, die auf Energieeffizienz achten. „Der größte Treiber ist die Nutzerseite“, stellt Ingo Beenen fest, Leiter Strategic Consulting beim Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle. „Viele der größten und wirtschaftlich stärksten Unternehmen werden künftig nur noch Flächen anmieten, die eine hohe Nachhaltigkeitsqualität und entsprechende Zertifizierung aufweisen.“

Bei privaten Bauherren hingegen muss man die Begeisterung mitunter erst noch wecken. Der Architekt Daniel Sauter beispielsweise konstruiert seit einem Dutzend Jahren Privathäuser und Wohnanlagen, die pur, reduziert und ultramodern anmuten und mit herkömmlicher „Öko-Architektur“ wenig zu tun haben. Und dennoch sind sie bis ins Detail nachhaltig gestaltet. In Bodenseenähe beispielsweise hat der 46-jährige Architekt, der mit seinem Bregenzer Fünf-Mitarbeiter-Büro bereits über 100 Projekte verwirklicht hat, ein Einfamilienhaus gebaut, das selbst in puncto Baumaterialien und Recyclingfähigkeit vorbildlich wirkt. So besteht die Konstruktion des 270-qm-Hauses aus dem Holz von Weißtannen, die keine fünf Kilometer entfernt aufgezogen und gefällt worden waren. Dank Dreifachverglasung, Nord-Süd-Ausrichtung, Solaranlage und leistungsstarkem Holzofen dürften die Bewohner des Hauses mit 70 % weniger fossilen Brennstoffen auskommen als ihre konventionell wohnenden Nachbarn. Die Bauherrenschaft, erinnert Sauter, „ließ sich denn auch nach nachhaltigen Argumenten vom energieeffizienten Bauen überzeugen. Wir haben da überhaupt keinen missionarischen Anspruch. Aber die ökonomischen wie ökologischen Vorteile sind einfach beeindruckend.“
Wie beeindruckend die Verbrauchswerte sind, kann Sauters Hausherr heute jederzeit und von jedem Ort überprüfen. Ausgestattet ist seine neue Heimat mit Schaltern der Berker K.1-Serie sowie einem Haussteuerungssystem, auf das sich per Internet sogar von unterwegs zugreifen lässt.
„Und damit“, sagt Sauter, „hat der Bauherr das Thema Energieeffizienz tatsächlich nachhaltig für sich entdeckt.“